Ab dem 19. Juli 2026 gilt für große Unternehmen in der EU ein Vernichtungsverbot für bestimmte unverkaufte Textilien und Verbraucherprodukte. Rechtsgrundlage ist die Verordnung EU 2024/1781, die Ecodesign for Sustainable Products Regulation, kurz ESPR. Zunächst betroffen sind Kleidung, Schuhe und Textilien.

Wer gilt als "großes Unternehmen"?

Die Definition richtet sich nach der EU-Bilanzrichtlinie 2013/34/EU. Ein Unternehmen gilt als groß, wenn es mindestens zwei der folgenden drei Kriterien überschreitet: 

  • mehr als 250 Beschäftigte
  • mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz
  • mehr als 25 Millionen Euro Bilanzsumme 

Kleine und mittlere Unternehmen sind zunächst vom Vernichtungsverbot für Textilien ausgenommen. 

Was bedeutet "Vernichtungsverbot" konkret?

Große Unternehmen dürfen bestimmte unverkaufte Verbraucherprodukte künftig nicht mehr vernichten. Die Verordnung spricht ausdrücklich von „unverkauften Produkten“. Damit wird Entsorgung für die betroffenen Warengruppen keine zulässige Option mehr sein. 

Relevanz für Retouren im E-Commerce

Im E-Commerce entstehen unverkaufte Bestände nicht nur durch Überproduktion oder saisonale Überhänge. Auch Retouren führen dazu, dass Ware nicht wieder regulär verkauft werden kann. 

Die Verordnung erfasst „unverkaufte Produkte“. In der Praxis können darunter auch Rückläufer aus Retouren oder nicht wiederverkaufbare Ware fallen. 

Wenn Vernichtung keine Option mehr ist, müssen Unternehmen alternative Lösungen organisieren. Dazu zählen beispielsweise Weiterverkauf, Reparatur oder Spenden.  Das betrifft nicht nur Nachhaltigkeitsstrategien, sondern auch operative Prozesse und Kostenstrukturen. 

Blick nach Frankreich: Regulierung als Vorbild

Frankreich ist das erste Land weltweit, das ein Verbot zur Vernichtung unverkaufter und zurückgesendeter Nicht-Lebensmittel-Produkte vollständig umgesetzt hat. Das Gesetz gilt seit Ende 2023 und umfasst Textilien, Elektronik, Kosmetik und viele weitere Produktkategorien. Statt Retouren und Überschussware zu entsorgen, müssen Unternehmen sie spenden, weiterverkaufen oder recyceln. 

Auslöser waren Berichte über die Massenvernichtung neuwertiger Retouren durch große Plattformen. Schätzungen zufolge wurden in Frankreich jährlich Produkte im Wert von 650 bis 730 Millionen Euro vernichtet, oft weil die Wiederaufbereitung teurer war als die Entsorgung. 

Das französische Gesetz hat als Vorbild für die europäische Ecodesign-Verordnung (ESPR) gedient, die ab Juli 2026 Großunternehmen in der EU die Vernichtung unverkaufter Textilien untersagt. Zusammen mit dem Widerrufsbutton zeigt sich ein klarer regulatorischer Trend: Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit werden im europäischen E-Commerce systematisch miteinander verbunden. 

Einordnung im Kontext regulatorischer Entwicklungen

Während der elektronische Widerrufsbutton ab 2026 regelt, wie Retouren entstehen, betrifft das Vernichtungsverbot für Textilien die Frage, was danach mit der Ware passiert.

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Beide Regelungen wirken in unterschiedlichen Phasen des Post-Purchase-Prozesses. Der Widerrufsbutton standardisiert den Einstieg in viele Rücksendungen. Das Vernichtungsverbot für Textilien setzt Grenzen für den Umgang mit bestimmten unverkauften Produkten. 

Fazit

Mit der ESPR-Verordnung wird der Umgang mit unverkauften Produkten neu geregelt. Große Unternehmen im Online-Handel, die Kleidung, Schuhe oder Textilien vertreiben, müssen ab Juli 2026 sicherstellen, dass diese Produkte nicht mehr vernichtet werden. 

Für Unternehmen mit hohen Retourenquoten rückt damit die Frage in den Fokus, wie mit nicht wiederverkaufbarer Ware umzugehen ist, wenn Entsorgung ausgeschlossen ist. 

Die Regulierung betrifft nicht nur Nachhaltigkeit. Sie betrifft direkt die wirtschaftliche Logik hinter Retouren und Restbeständen. 

Über die Autorin

Nilaxsa Yoganathan ist Mitgründerin und CEO von 8returns, einer Berliner Retourenmanagement-Plattform, die E-Commerce-Marken dabei unterstützt, Retouren und Post-Purchase-Prozesse in einen strategischen Vorteil zu verwandeln. Als eine von Capital Magazines Top 40 unter 40 ausgezeichnet, blickt sie auf eine Karriere in digitaler Produktentwicklung, Plattform-Skalierung und kundenzentrierten Commerce-Systemen zurück. Als anerkannte Stimme in der Tech- und E-Commerce-Community setzt sich Nilaxsa für Best Practices im Aufbau skalierbarer E-Commerce-Journeys, Händlerwachstum und die Weiterentwicklung von Branchenstandards ein. 

Mehr erfahren: 8returns.com/book-a-demo 

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