WEEE Richtlinie EU: Elektrogeräte international verkaufen

Schonmal versucht, Elektronik in der EU zu verkaufen? Die WEEE Richtlinie der EU macht es Startups und Online Händlern nicht gerade einfach, ihre Produkte für die ganze EU anzubieten. Wir erklären, was es mit der EU WEEE Richtlinie von 2012 bzw. 2018 auf sich hat und welche Auswirkungen das auf Ihren Onlineshop hat.

Die WEEE Richtlinie der EU

Die sog. WEEE Richtlinie – genauer: Richtlinie 2012/19/EU über Elektro- und Elektronik-Altgeräte – ist eine Richtlinie der EU, die Umgang und Entsorgung von Elektroaltgeräten regelt. WEEE steht dabei für Waste of Electrical and Electronic Equipment. Ausgesprochen wird es meist „W-E-E-E“, „Wiii“, oder der Einfachheit halber W3E bzw. „W-drei-E“.

Einfach gesagt regelt die Richtlinie, wie in den EU-Mitgliedsstaaten mit Elektroschrott umgegangen werden muss. Sie ist sozusagen das Äquivalent der EU-Verpackungsrichtlinie für Elektrorecycling. Jedes EU-Land hat folglich eigene Recycling-Systeme für Elektroaltgeräte und Batterien geschaffen. Das grundlegende Prinzip ist dabei die „erweiterte Herstellerverantwortung“ für Inverkehrbringer von Elektronik.

EPR: Erweiterte Herstellerverantwortung

Das Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung regelt, dass Hersteller bzw. Inverkehrbringer von Produkten die Verantwortung für deren gesamten Lebenszyklus tragen. Nach dem Verkauf ist es also nicht einfach vorbei! Hersteller und Inverkehrbringer müssen auch dafür Sorge tragen, was mit ihren Produkten nach der Nutzung durch den Endverbraucher passiert. Oder kurz gesagt: Wer Elektrogeräte oder Batterien auf den Markt bringt, muss gemäß dieser EU-Richtlinie für das ordnungsgemäße Recycling seiner Produkte sorgen.

Auswirkungen der WEEE Richtlinie auf den Online Handel

Die genauen Vorgaben zum Elektrorecycling basieren auf der gemeinsamen Richtlinie, unterscheiden sich jedoch in jedem Land. Meist ist die Registrierung und das Bezahlen von Recycling-Gebühren verpflichtend. Die praktische Umsetzung, die zuständigen Behörden, Recycling-Systeme und Institutionen, sowie Gebühren sind überall unterschiedlich.

Für Online Händler entsteht so ein hoher Verwaltungsaufwand. Anders als bei Verpackungen gibt es für WEEE meist nur sehr geringe oder keine Freimengen. Bei internationalem Versand muss also in jedem Land separat WEEE angemeldet und Recyclinggebühren bezahlt werden – selbst innerhalb der EU. Das gilt auch für kleine Shops oder Startups, die gerade erst anfangen, Elektronik in den europäischen Ländern auf den Markt zu bringen. (Sogar noch vor dem ersten Verkauf.)

Zudem benötigen Online Shops, die ohne eigene Niederlassung ins Ausland versenden, in jedem Zielmarkt einen sogenannten autorisierten Bevollmächtigten. Dieser übernimmt die Verpflichtungen des Händlers im Ausland. Bei EU-weitem Versand aus Deutschland müssen sich Onlineshops, die Elektrogeräte vertreiben, somit in 27 Ländern bei den zuständigen Behörden registrieren und benötigen in 26 Ländern einen WEEE-Bevollmächtigten.

Um für Online Händler und Startups den bürokratischen Aufwand möglichst gering zu halten, bieten wir in unserem Beratungsservice genaue Anleitungen, was Sie in welchem Land machen müssen:

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Was zählt als Elektrogerät bzw. WEEE

Obwohl bei vielen Geräten klar ist, dass sie zu den Elektrogeräten zählen (z.B. ein Föhn, Toaster, DVD-Player), gab es früher auch viele Streitfälle. Seit 2018 gilt jedoch der Open Scope: Alles, was in irgendeiner Form elektrischen Strom leitet, zählt per Definition als Elektrogerät und fällt unter den Bereich der WEEE Richtlinie. Somit müssen auch Chipkarten, NFC-Chips oder Schuhe mit batteriebetriebenen Leuchtsolen registriert werden. Damit sind häufig auch Händler von den Pflichten betroffen, die nicht primär in der Elektronik-Branche angesiedelt sind.

Open Scope / Offener Anwendungsbereich: WEEE2 seit 2018

 

Zweck der WEEE Richtlinie

Obwohl die enorme Bürokratie durch die unterschiedliche Umsetzung in jedem Land gewiss zu kritisieren ist, verfolgt die Richtlinie in erster Linie unterstützenswerte Ziele. Falsch entsorgt stellt Elektronik und insb. Batterien oder Akkumulatoren nicht nur eine Belastung für die Umwelt durch giftige Stoffe dar, sondern auch eine große Verschwendung wichtiger Ressourcen und Edelmetalle. Durch Gesetze zum WEEE-Recycling verfolgt die EU daher:

  • Die Vermeidung von WEEE
  • Die Wiederverwertung wichtiger Ressourcen durch Recycling
  • Die sichere Entsorgung gefährlicher Abfälle

Nichts destotrotz stellt die große bürokratische Belastung und besonders die hohen Mindestgebühren in jedem Land besonders Startups, kleine Online Händler und KMU vor große Handelsbarrieren, die es zu beseitigen gilt.

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Die Umsetzung der WEEE Richtlinie in Deutschland

Die Richtlinie wird in Deutschland durch das Elektrogesetz (ElektroG) und das Batteriegesetz (BattG) umgesetzt. Betroffen ist jedes Unternehmen, das Elektronik und Batterien in Deutschland produziert, auf eigenen Namen produzieren lässt oder nach Deutschland importiert und in Deutschland verkauft. Aber auch ausländische Unternehmen, die via Online Handel an deutsche Kunden verkaufen, sind betroffen.

Zu den wichtigsten Pflichten zählen die Registrierung bei der Stiftung EAR, das Führen der WEEE-Nummer (unter anderem im Impressum), das Stellen einer Insolvenzsicheren Garantie, das Zahlen von Recyclinggebühren sowie Rücknahmepflichten. Detaillierte Anleitungen sowie geeignete Dienstleister zur Erfüllung der Pflichten erhalten Sie in unserem Beratungsservice für Deutschland:

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